Der PLM-Markt wächst in die Höhe und die Breite

Vor ein paar Jahren habe ich an dieser Stelle schon mal über Sinn und Unsinn der PLM-Marktanalysen in der gegenwärtigen Form geschrieben. Grundsätzlich sollen solche Analysen potentiellen Käufern als Orientierung über die am Markt verfügbaren Systeme und die Marktposition der jeweiligen Anbieter dienen. Das tun sie aber nicht, wenn sie Äpfel mit Birnen vergleichen oder – schlimmer noch – Äpfel, Birnen und andere Früchte zu einem bunten PLM-Obstsalat vermengen.

Die Analysten der amerikanischen Beratungsfirma CIMdata haben kürzlich ihre PLM-Marktstudie für das Jahr 2014 vorgestellt, die im wesentlichen auf den Umsatzangaben der Softwarehersteller und Dienstleistungsfirmen sowie ihren eigenen Schätzungen beruht. Wenn die Zahlen in der Zeitschrift PLM IT Report korrekt wiedergegeben sind, wuchs der weltweite PLM-Markt um 8 Prozent und erreichte ein Volumen von 37,6 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 34,6 Prozent oder 13 Milliarden US-Dollar auf Software und Dienstleistungen für das Produktdaten- und Prozessmanagement – cPDm oder collaborative Product Definition management in der CIMdata-Terminologie.

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Quelle: CIMdata, Inc.

Moment mal, kann das stimmen? In der Grafik, die auf den Zahlen von CIMdata basiert, sind unter comprehensive cPDm nur 5,2 Milliarden US-Dollar aufgeführt. Die Auflösung des Zahlenrätsels verrät Stan Przybylinski, Vice President of Research des Unternehmens: Man muss zum cPDM-Tortenstückchen die SI/Reseller/VAR-Zahlen, welche die Umsätze der großen PLM-Beratungshäuser und Systemintegratoren enthalten, und als Sahnehäubchen noch die Spezialanwendungen hinzu rechnen, um auf die 13 Milliarden zu kommen. Das erklärt dann auch den hohen Dienstleistungsanteil von 57,7 Prozent an den cPDm-Umsätzen. Ja will denn keiner die vorkonfigurierten Out of the Box-Einstiegslösungen kaufen?

Der PLM-Markt präsentiert sich nach den Krisenjahren gut erholt und mit dynamischem Wachstum. Für das Jahr 2015 prognostiziert CIMdata einen Zuwachs von 5,8 Prozent. Angesichts der 70 Fusionen und Übernahmen mag man sich allerdings fragen, ob der Markt  mehr in die Höhe oder in die Breite wächst. Gerade die großen PLM-Anbieter ergänzen ihre Portfolio ständig um neue Produkte und Lösungen, beispielsweise für Internet of Things, Data Analytics oder Systems Engineering, die nicht zu den klassischen PLM-Anwendungen gehören. Dadurch wird es für die Marktbeobachter immer schwieriger, ihre Umsatzzahlen korrekt den jeweiligen Marktsegmenten zuzuordnen.

Andererseits werden Anwendungsbereiche wie das Application Lifecycle Management, d.h. das Management der eingebetteten Software und des Softwareentwicklungsprozesses ausgeklammert, obwohl ständig von cyberphysischen Produkten und Systeme die Rede ist, die immer mehr Software enthalten. Nach meinem Verständnis sind sie ein immer wichtigerer Teilbereich des PLM. Das Problem ist nur, dass kaum einer der klassischen PLM-Anbieter dafür eine Lösung anzubieten hat.

Die Ranglisten der PLM-Marktführer und Mindshare Leader (was auch immer CIMdata darunter versteht) mögen deshalb dem Ego der betreffenden Anbieter schmeicheln, als Grundlage für die Wahl des passenden Softwareherstellers taugen sie nur bedingt. Zu heterogen ist das Anbieterfeld. Neben Anbietern von TDM-Systemen (Team Data Management), die eng mit bestimmten CAD-Systemen verbunden sind, oder Anbietern von speziellen Branchen-Lösungen tummeln sich im Markt Hersteller von Autorenwerkzeugen, die zugleich umfassende PDM/PLM-Lösungen anbieten, ERP-Anbieter mit integrierten PDM-Zusatzmodulen und neutrale PLM-Hersteller mit Multi-CAx-fähigen Lösungen.

Viele PLM-Hersteller, die scheinbar in der zweiten Liga spielen, haben eine ausgeprägt starke regionale Präsenz. Sie ist für den Support im Zweifelsfall wichtiger als das internationale Ranking eines Unternehmens. Ein entscheidendes Kriterium für die Systemauswahl bzw. die Wahl des Herstellers ist außerdem die Kenntnis der betreffenden Branche, weil sie eine schnelle Implementierung gewährleistet. Hier ist der Besuch von Referenzkunden allemal aussagekräftiger als das Studium irgendwelcher Ranglisten. Das hat mir neulich erst wieder ein Automobilzulieferer bestätigt, der das „Auslaufmodell“ eines hochrangigen, internationalen PLM-Herstellers gerade durch ein Produkt deutscher Provenienz ersetzt hat.

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