Kollaboration braucht ein gemeinsames Prozessverständnis

Die unternehmensübergreifende Kollaboration wird in Zukunft weiter zunehmen und sie wird sich in noch komplexeren Entwicklungsnetzen abspielen. Diese an sich wenig überraschende Erkenntnis hat die neue Expertenstudie von Fraunhofer IPK, VDI und CONTACT Software über die Zukunft der Kollaboration bestätigt. Wichtigster Treiber für die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen ist der Zugang zu deren Know-how – noch vor den Kosteneinsparungen und einer besseren Kapazitätsverteilung. Auch das ist angesichts der zunehmenden Komplexität der Produkte nicht weiter verwunderlich.

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Ich empfehle Ihnen die Studie trotzdem zur Lektüre, weil die Befragung der 40 PLM-Experten unterschiedlicher Branchen und Fachrichtungen ein paar sehr interessante Einschätzungen zutage gefördert hat. Zum Beispiel die, dass die Akzeptanz für die Cloud und für Social Media aufgrund der Kommunikationshürden bei der Kollaboration zunehmen dürfte. 16 Prozent der Befragten setzen bereits Cloud-Lösungen ein und fast die Hälfte erwartet ihren Einsatz für die Zukunft.  „Social Media könnten in Zukunft durchaus die Kaffeemaschinenrunde ersetzen“, meinte einer der Experten.

Die Kollaboration wird nicht nur quantitativ zunehmen, sondern auch eine neue Qualität bekommen. Bedingt durch den Trend zu cyberphysischen Produkten, die über das Internet of Things miteinander kommunizieren, werden die Unternehmen nach Einschätzung der PLM-Experten künftig viel stärker mit branchenfremden Partnern zusammenarbeiten. Und sie werden das auch nicht mehr nur im Bereich der Entwicklung tun, sondern über alle Phasen des Produktlebenszyklus hinweg. Mit Blick auf den Wandel von produktzentrischen zu serviceorientierten Geschäftsmodellen müssen z.B. Servicepartner viel stärker und viel früher in die Unternehmensnetze und PLM-Prozesse eingebunden werden. Dadurch löst sich die sachliche, fachliche und zeitliche Beschränkung der Kollaboration immer mehr auf.

Die Autoren unterscheiden bei ihrer Analyse vier Dimensionen der Kollaboration, die hinsichtlich IT-Unterstützung und Best Practices untersucht wurden: Kommunikation, Koordination, Wissensintegration und Informationslogistik, d.h. die Datenbereitstellung. PLM-Systeme spielen heute für Informationslogistik und Wissensintegration innerhalb der Unternehmen eine zentrale Rolle und könnten diese Rolle auch unternehmensübergreifend übernehmen, scheitern aber in der Praxis an der „virtuellen Unternehmensgrenze“. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die internen Anwendungsfälle nicht eins zu eins auf die unternehmensübergreifende Kollaboration übertragbar sind, z.B. weil die Prozesse unterschiedlich sind oder die Rechte- und Rollenkonzepte hierfür nicht ausgelegt sind.

Die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit wird in der Praxis häufig durch Austauschportale und andere Werkzeuge unterstützt, die von der PLM-Welt losgelöst sind. Ihr größte Manko ist, dass sie im wesentlichen der Informationslogistik dienen, nicht aber der unternehmensübergreifenden Kommunikation und Koordination. Viele Unternehmen nutzen zwar Projektmanagement-Software und PDM/PLM-Systeme für koordinierende Aufgaben, aber eben nur intern. Die mangelnde IT-Unterstützung ist der Studie zufolge der größte Showstopper bei der Koordination der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit.

Die Autoren fordern deshalb, die Durchgängigkeit zwischen den eingesetzten Werkzeugen sicherzustellen. Das ist aber nicht in erster Linie eine Frage optimierter Werkzeuge. Voraussetzung dafür sei eine ganzheitliche Betrachtung von Prozessen, Informations- und Datenmodellen sowie der IT-Bebauung. Mehr als 50 Prozent der Befragten halten eine stärkere Formalisierung der Prozesse für notwendig, damit die Kollaboration funktionieren kann. Oder wie einer der Teilnehmer an der Befragung sagte: „Wichtig ist ein geteiltes Prozessverständnis: Wie der eigene Prozess abläuft im Vergleich zu den Prozessen der Partner und wie diese zusammenhängen.“

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