Prozesse müssen künftig gelebt werden

Es gibt viele gute Grunde, ein PLM-System einzusetzen, aber einer, der immer wichtiger wird, ist das Thema Qualität. Vor ein paar Wochen ist die überarbeitete Qualitätsnorm ISO 9001:2015 veröffentlicht worden, die noch größeres Gewicht auf die Orientierung des Qualitätsmanagements an den Unternehmensprozessen und an den zu erwartenden Prozessergebnissen legt. Die Erfüllung der entsprechenden Anforderungen ist künftig zwingende Voraussetzung für die Zertifizierung der Unternehmen.

„Die stringente Ergebnisorientierung und die Fokussierung auf die Konformität von Produkten und Dienstleistungen mit den entsprechenden Anforderungen führen dazu, dass die Anwendung der Norm ISO 9001:2015 für die Unternehmen wesentlich konkreter wird“, urteilt Dr. Frank Bünting vom VDMA in einem Beitrag in den VDMA-Nachrichten. Allerdings müssten die Unternehmen  ihre bestehenden Prozesse noch einmal überprüfen und gegebenenfalls die zu erwartenden Ergebnisse konkretisieren. Es reicht nicht mehr aus, sich nur pro forma an den Prozessen zu orientieren, sie müssen auch wirklich gelebt werden.

Qualität

Mit freundlicher Genehmigung von Stuart Miles, http://www.FreeDigitalPhotos.net

Die sieben wichtigsten Änderungen der ISO 9001:2015 fasst ein interessanter Blogbeitrag von CERTQUA zusammen. Die neue Norm fordert ein umfassendes und systematisches Prozessmanagement, bei dem auch die zu erwartenden Ergebnisse und die Leistungsindikatoren zur Prozesslenkung bestimmt werden müssen. Für den Produktentstehungsprozess heißt das, dass dem PLM-System eine doppelte Aufgabe zuwächst: Zum einen unterstützt es das systematische Management der Entwicklungsprozesse durch die Möglichkeit, einheitliche Vorgehensweisen abzubilden und ihre Einhaltung elektronisch zu überwachen, zum anderen kann es aber auch die Kennzahlen für die Kontrolle der Ergebnisqualität automatisch generieren.

Zu den Neuerungen gehört außerdem die Forderung nach einer systematischen Erfassung, Analyse und Bewertung von Chancen und Risiken, ohne dass die Norm genau festlegt, wie dies zu tun ist. Durch die Einbindung von Werkzeugen für die Failure Mode and Effect Analysis (FMEA) oder Failure Tree Analysis (FTA) in die PLM-Prozesse lassen sich solche Zuverlässigkeitsanalysen bei der Neuentwicklung von Produkten und Prozessen systematisieren. Die Analyseergebnisse im Produktkontext zu verwalten, erleichtert die die Erfüllung der Nachweispflichten und die Wiederverwendung der Informationen.

Die Überarbeitung der ISO 9001 trägt dem Umstand Rechnung, dass Wissen in der heutigen Wirtschaft ein entscheidender Erfolgsfaktor ist, und fordert deshalb einen systematischen Umgang damit. PLM-Systeme sind aufgrund ihrer Fähigkeit, die unterschiedlichsten Arten von Daten und Dokumenten in strukturierter Form zu verwalten, ihre Aktualität sicherzustellen und die Informationen unternehmensweit zugänglich zu machen dazu prädestiniert, diese Aufgabe zu übernehmen. Sie können auch die Wissen über die Durchführung der Prozesse – wie von der Norm gefordert – festhalten und allen Mitarbeitern verfügbar machen.

Die Nutzung des PLM-Systems für das Qualitätsmanagement bzw. die Integration entsprechender Werkzeuge und Methoden in die PLM-Umgebung hat viele Vorteile. Es ist sicher kein Ersatz für ein Qualitätsmanagementsystem, leistet aber wichtige Schützenhilfe bei der Definition der Qualitätsanforderungen in der Frühphase der Produktentwicklung und der Kontrolle ihrer Umsetzung in den verschiedenen Phasen des Produktlebenszyklus. Vor allem aber kann es die Dokumentationspflichten mit viel weniger Aufwand erfüllen. Die qualitätsrelevanten Prozesse im Unternehmen müssen nämlich nicht mehr in Form eines papiergebundenen QM-Handbuchs dokumentiert werden. Die Norm erlaubt neuerdings eine IT-gestützte oder webbasierte Qualitätsdokumentation.

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